Da ist die Kohle!


Wovon man in der Gegenwart am Störmthaler See nicht mehr so sehr viel sieht und was gestern eher theoretisch behandelt wurde, haben wir uns heute Nachmittag nach der Arbeit in den Workshops ganz aus der Nähe angeschaut: Einen arbeitenden Braunkohletagebau. Dazu besuchten die Jungs und Mädchen heute in zwei Gruppen den Tagebau Schleenhain, der in der Nähe von Borna liegt. Von Christin und Martin erfuhren sie, wie die Kohleförderung funktioniert und was passieren muss, bis Braunkohle im Kraftwerk landet und dort verheizt wird- etwa, dass allen Tagebauen in der Umgebung hunderte Dörfer und tausende Menschen weichen mussten, dass Lebensraum zerstört wird und sogar eine Kirche umgezogen ist, aber auch, dass die Bergbaufolgelandschaften ganz neue Lebensräume bieten, in der sich verschiedenste Tier- und Pflanzenarten ansiedeln. Häufig anzutreffen sind laut Christin im nahegelegenen ehemaligen Tagebau "Haselbacher See" zum Beispiel die Blauflügelige Ödlandschrecke und Ameisenlöwen (Plus Ameisen, natürlich). Gefunden hat aber niemand eines dieser Tiere (Außer Ameisen, natürlich). Das könnte allerdings auch an der eher niedrigen Konzentration und dem nicht übermäßig an den Tag gelegten Such-Eifer liegen... Aber nach einem anstrengenden Tag mit Aussicht auf den See ist das ja auch verständlich. Auf dem Weg dahin lernten die Kinder einen weitere Siedler in der Bergbaufolgelandschaft kennen, das auch Martins Wildkamera schon einmal im Kasten hatte: Den Wolf. Auch der fühlt sich mittlerweile heimisch in der Region. Auf die Frage, ob denn jemand Angst vor ihm habe, antwortete interessanterweise niemand mit "Ja". Das jahrhundertelang als "Der böse Wolf" verteufelte Wesen verliert scheinbar in dieser Generation langsam sein schlechtes Image.

Ebenfalls enorm wichtig für die Renaturierung der riesigen Kraterlandschaften, die ein Tagebau hinterlässt, sind natürlich auch Pflanzen aller Art. Die Besiedelung vor allem mit Lichthölzern wie Birken charakterisiert heute viele der ehemaligen Tagebaulandschaften, so zum Beispiel auch den Haselbacher See und der Störmthaler See. Daneben gibt es auch in Strauchhöhe unzählige Pflanzen, die die oftmals kargen Landschaften gern besiedeln. Im Haselbacher See wurde zum Abschluss des Ausflugs gebadet, auch hier tummelt sich schon wieder Leben: Fische wurden gesehen und Muscheln entdeckt.

 

Von der Exkursion an den Tagebau ging es mit dem Neuseenland-Express wieder zurück nach Dreiskau und direkt zum Rittergut: Nach der gestrigen Nacht, in der das Camp von einem Gewitter aufgeschreckt wurde und sämtliche BewohnerInnen kurzfristig in Bauwägen, Feuerwehr und Magdas Wohnwagen umgesiedelt werden mussten, übernachten heute alle wegen erneut angesagten Gewitters in der Turnhalle. Während des Ausflugs hatten die in Dreiskau verbliebenen HelferInnen das Gepäck der Kinder schon in die Turnhalle transportiert und das Lager gewitterfest gemacht. Abendbrot gab´s im Gasthof. Dass einige Kinder trotz des immensen Umzugsaufwands und den trotzdem äußerst geringen Anstrengungen für die Kinder trotzdem noch etwas zu meckern hatten, ist sehr schade und für die beteiligten Helferinnen und Helfer ziemlich demotivierend. Doch der Tag war furchtbar anstrengend, über Nacht und nach einem tollen Film heute Abend beruhigen sich die Gemüter hoffentlich wieder, sodass morgen wieder mit vollem Elan durchgestartet werden kann.


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